28.10.2011
Beratungswissen Anti-Aging
Wirkstoffpower contra Zeitzeichen
Je mehr die einzelnen Prozesse in der Haut, die zu einer vorzeitigen Hautalterung führen, entschlüsselt werden, desto zielorientierter lassen sich Wirkstoffe einsetzen. So sollen etwa bestimmte Substanzen die Haut animieren, die eigene Kollagenbildung anzukurbeln, andere wirken wie ein Bodyguard für die Zellen oder fördern gar ihre Langlebigkeit.
Was passiert in den tieferen Hautschichten, wenn es zu einer UV-Exposition kommt? Und wie kann man Schäden an der hauteigenen DNA reparieren? Ein Beispiel: Bereits im Jahr 2006 entschlüsselten Forscher beim japanischen Kosmetikkonzern Shiseido die Funktion eines Proteins namens “Serpin b3“. Wird zuviel dieses Proteins in der Haut gebildet, ist die natürliche Schutzfunktion gestört. Die Folge: Die Haut verliert ihre jugendliche Ausstrahlung. Wird der Serpin b3-Gehalt minimiert, können sich die Zellen optimal regenerieren. “Skingenecell 1P“ heißt die Antwort von Shiseido auf diesen Prozess in den Tiefen der Haut: Das neu lancierte “Future Solution LX Ultimate Regenerating Serum“ führt der Haut eine besonders hohe Konzentration des Wirkstoffs in Verbindung mit Pflanzenextrakten zu und fördert so die Vitalfunktionen der Haut.
Antioxidantien: Schutz vor Zellschädigungen
Falten entstehen auf unterschiedliche Weise und in verschiedenen Strukturen der Haut. Schäden gar nicht erst entstehen zu lassen, um sie nicht aufwändig reparieren zu müssen, ist erklärtes Ziel beim Thema Anti-Aging. Ein elementares Mittel sind Antioxidantien, die die Bildung von zellschädigenden freien Radikalen in den Zellen reduzieren und damit eine Oxidation verhindern sollen. Zu den lange bekannten Antioxidantien zählen z. B. die Vitamine C und E oder grüner und weißer Tee sowie weitere Pflanzenextrakte. Viele Antioxidantien sind jedoch empfindlich: Sie zerfallen schnell und verlieren an Wirkung – die Suche gilt also widerstandsfähigen Radikalfängern.
Als leistungsfähige Radikalfänger bewiesen haben sich die aus Weintrauben gewonnenen Polyphenole. Auch Resveratrol, ein derzeit vielbeachteter Wirkstoff, gehört zu den Polyphenolen und wird vorrangig aus Trauben gewonnen. Ähnlich wie beim Coenzym Q10 werden Sauerstoffradikale deaktiviert und das vor Oxidation schützende Enzym Superoxiddismutase aktiviert.
Neu entdeckt hat die Forschung die Amazonas-Frucht Açaí-Beere. Sie ist besonders reich an Antioxidantien, mit einer Wirkung, die 15 Mal höher sein soll als bei roten Weintrauben. Als Breitband-Antioxidans wirkt Açaí gegen Superoxide und Peroxide.
Im Fokus: Kollagen und Elastin
Mit zunehmendem Alter nimmt die körpereigene Kollagen- und Elastinproduktion ab. Diese sind jedoch für das innere Stützgerüst der Haut verantwortlich. Die hauteigene Kollagensynthese anzukurbeln, um der Haut ihr jugendliches Erscheinungsbild zurückzugeben, ist ein wichtiger Ansatz in der Anti-Aging Hautpflege. Neu ist die Aktivierung kompetenter Wirkstoffe durch sichtbares Licht. Die neue “Resilience Lift Firming/Sculpting Collection“ von Estée Lauder enthält Plankton-Extrakt, dessen Enzyme durch Licht aktiviert werden und den Abbau von Kollagen verhindern. Der Wirkstoff Alistin wiederum schützt vor der schädlichen Glykation – ein Prozess, bei dem sich Zucker an Proteine binden, mit der Folge einer Quervernetzung der elastischen Fasern und einem daraus resultierenden Spannkraftverlust der Haut.
Die Produktion der Tensine (Ankerproteine) ankurbeln, soll der Chanel-exklusive Wirkstoff Elemi PFA (z. B. im “Ultra Correction Lift“ Serum) aus pflanzlichem Harz. Die Fibroblasten werden angeregt, die Kollagensynthese stimuliert.
Zellen im Visier
Eine der neueren Erkenntnisse in der Hautpflege ist die Stammzellentechnologie. Aus Äpfeln gewonnene Stammzellen werden liposomal verkapselt, fördern die Langlebigkeit der epidermalen Stammzellen und steigern ihre Aktivität.
Aus der Hautpflege nicht mehr wegzudenken, sind auch Peptide. Diese vielfältigen Proteine, die aus Aminosäuren gebildet werden, erfüllen die unterschiedlichsten Funktionen in Hautcremes und Co. Die Eiweißbausteine aktivieren Enzyme, regen unter anderem die Kollagen- oder Zellneubildung an oder verursachen einen sanften Peelingeffekt.
Die Immortelle gilt als Blume der ewigen Jugend. L´Occitane hat als eine der ersten Firmen die Anti-Aging Wirkung der “unsterblichen“ Blume, die nie verblüht, für seine Immortelle-Serie genutzt. Nun geht L´Occitane einen Schritt weiter und integriert den Zellextrakt der Blume. Mit den Wirkstoffen der “Precious Immortelle“ Serie soll das Gen stimuliert werden, das für die Bildung von Desmosomen in den Zellmembranen und verankernden Fasern verantwortlich ist – und so die Haut langfristig gefestigt werden.
Neben den bewährten Pflanzenwirkstoffen entdecken die Kosmetikforscher zunehmend exotische Lieferanten für potente Wirkstoffe. “Sérum Capital Lumière“ von Clarins setzt neben dem feuchtigkeitsspendenden Katafray-Extrakt auf Cangzhu-Extrakt: Dieser kurbelt den Zellstoffwechsel an, indem ein Schlüsselprotein der Zellmembran aktiviert wird. In Kombination mit Löffelkrautextrakt (Cochlearia officinalis) regt es die Aktivität des Proteasoms in den Zellen an und reduziert die Oxidation von Proteinen. Waltheria-Extrakt stimuliert die Kollagen-Synthese und die Synthese von Fibronektin: ein wichtiges Protein, das für die Verankerung der Fibroblasten in den Kollagenfasern sorgt.
Der Klassiker: Retinol
Retinol gilt als einer der wirksamsten Anti-Aging-Wirkstoffe – sozusagen als Goldstandard beim Anti-Aging. Das Vitamin A-Derivat fördert die hauteigene Regeneration, aktiviert die Zellteilung, stimuliert die Kollagenproduktion und verfeinert das Hautbild. Mit zunehmendem Alter und auch durch UV-Strahlung mangelt es der Haut an diesem Vitamin – die oberste Hautschicht wird dünner, die Bindegewebsfasern büßen ihre Elastizität ein und Falten haben ein leichtes Spiel. Retinol zählt jedoch aufgrund seiner Licht- und Luftempfindlichkeit zu den komplizierten Anti-Aging-Wirkstoffen und wird deshalb oftmals verkapselt eingesetzt. “Retinology“ von Lancaster bedient sich dabei eines Vektor-Verfahrens, um Retinol direkt in den Zellkern zu transportieren. In der Dermis erfolgt eine Stimulation der Fibroblasten, die Kollagensynthese wird angeregt. Dieses Transportverfahren, die Vektorisierung, wurde für die Gentherapie entwickelt, um aktive Wirkstoffe gezielt den Zellen zur Verfügung zu stellen.
Leuchtkraft für die Haut
Der Kampf gegen Fältchen und Linien steht jedoch nicht immer im Mittelpunkt. Denn auch weitere Anzeichen der Alterung lassen das Gesicht nicht nur weniger jung, sondern auch müde und fahl aussehen. Der verbesserten Ausstrahlung des Teints widmen sich immer mehr Neulancierungen. Clarins forschte intensiv und fand heraus: Die Leuchtkraft der Haut lässt bereits im Alter von rund 40 Jahren drastisch nach – mit 50 Jahren sind es bereits 34 Prozent weniger. Erkenntnisse, die in die Serie “Capital Lumière“ eingebracht wurden. Auch die mit den Jahren zunehmende Pigmentierung der Haut spielt für die Ausstrahlung eine Rolle: Clarins setzt auf die rote Schuppenmiere, die eine Reduktion der Tyrosinase verursacht und so Flecken entgegenwirkt. Erno Laszlos “Luminous Intensive Cream“ enthält Arbutin, einen bekannten pflanzlichen Wirkstoff, der auf die Melaninsynthese einwirkt und Pigmentflecken mildert. Auch “Luminous Glow“ von Dr. Sebagh versteht sich als Anti-Aging-Pflege mit Leuchtkrafteffekt: Sojaproteine regen den Zellstoffwechsel an und ein Tripeptid reduziert Pigmentierungen. Durch den Zusatz von Puderpartikeln unterschiedlicher Größe sollen Unebenheiten optisch gemindert werden.
Eine Fülle interessanter Ansatzpunkte also, die verständlicherweise für Kunden aber auch verwirrend sein können. Wichtig ist daher das individuelle Beratungsgespräch, bei dem die persönlichen Bedürfnisse erkannt und als Entscheidungshilfe genutzt werden können.
Mia Klein
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