28.10.2011

Die Klassiker der Pflege, Folge 6

Von maritimen Schätzen und langer Tradition

Altes Wissen über natürliche Ressourcen bildet vielfach die Grundlage für Pflegeklassiker. Diese Folge zeigt, wie seltene Wirkstoffe für die Hautpflege wiederentdeckt wurden.

Foto: Lvnel - www.fotolia.com

Den Namen Guerlain verbindet man automatisch mit faszinierenden Duftklassikern, die die Welt dieser Parfümeur-Dynastie verdankt. Tatsächlich aber hat sich der Gründervater von Guerlain, der Chemiker Pierre-François-Pascal Guerlain, von Beginn an auch auf dem Gebiet der Kosmetik engagiert. Im Jahre 1830 entwickelte der Franzose seine ersten Parfums, Körperlotionen und pharmazeutische Präparate für kosmetische Anwendungen. Wenig später eröffnete er sein erstes Geschäft.

Durch Mundpropaganda stieg Pierre-François-Pascal Guerlain zum bedeutendsten Lieferanten der größten Herrscherhäuser Europas auf. Der Produktkatalog erweiterte sich unter den Söhnen Aimé und Gabriel Guerlain kontinuierlich mit neuen Kreationen, unter ihnen Crème Huvé de la Providence (1895). Weiter im Angebot: Cold Cream of Roses, Laits d’iris oder de concombres (Iris- oder Gurkenmilch), Pâte d’amandes à l’huile de pistaches (Mandelpaste mit Pistazienöl), um die Haut geschmeidig zu pflegen und sie vor der Sonne zu schützen, um nur einige wenige zu nennen.

In jener Zeit, in der die Vielfalt der Natur auf den Spuren von Buffon und Geoffroy Saint Hilaire erforscht wurde, ließ sich Guerlain vom Tierreich inspirieren und stellte sein eigenes Bestiarium zusammen. Die Blanc de Baleine Sapoceti-Seifen wetteiferten mit Haarpomade aus Bären- oder Rinderfett.

Auf seiner Suche nach dem besten Gänsefett reiste Guerlain gar bis nach Russland, um seine Pommade Impériale herzustellen. Zur Perfektionierung seiner Gesichtspflege Crème de rose aux limaçons schreckte er selbst vor der Verwertung von Gastropoden (Bauchfüßler, Schnecken) nicht zurück.

1904 bot Guerlain seinen Kundinnen die leichte, zart-schmelzende Creme Secret de Bonne Femme an. Sie verlangte ein besonderes Geschick bei der Herstellung, da sie wie Schlagsahne geschlagen wurde. Über 50 Jahre blieb diese Art der Herstellung unverändert. Und noch heute vertrüge die Creme keinen Transport mit dem Flugzeug, da sie wie ein Soufflé zusammenfallen würde. Die erfolgreiche Creme wurde erst im Jahre 2002 aus dem Programm genommen.
Schon Pierre-Francois-Pascal Guerlain legte Wert auf erlesene Schönheitselixiere, die seltene natürliche Rohstoffe enthielten, wie beispielsweise das auch heute noch erhältliche Baume de la Ferté, welches – ursprünglich für die wunde Brust der Amme entwickelt – die Lippen zart pflegt. Dieser Tradition ist das Haus Guerlain bis heute verpflichtet. So ging der Präsentation von Orchidée Impériale, der luxuriösen Komplettpflege-Creme, 2006  eine siebenjährige Forschungsarbeit voraus, um das Geheimnis der Langlebigkeit einiger seltener Orchideenarten zu entdecken. Von den 30.000 untersuchten Orchideen hat Guerlain nur vier ausgewählt. Zur Gewinnung von einem Gramm Orchideenextrakt wird ein Kilo  Orchideenwurzeln benötigt.


Im Zeichen der Rose
Öl und Wasser für die Haut
Die Rose als Symbol absoluter Schönheit erschien Dr. Michael Babor als passendes Logo für seine bahnbrechende Erfindung: 1955 hat er sein HY-ÖL® zum Patent angemeldet und damit 1956 den Grundstein für das Unternehmen Babor Cosmetics gelegt. Er hatte erkannt, dass wertvolle, naturreine Öle und Wasser die Haut schonender und gründlicher reinigen als alle anderen bekannten Methoden. Die tiefenwirksame 2-Phasen-Gesichtsreinigung war der Startschuss für die geradlinige Erfolgsgeschichte der Marke Babor und sie ist bis heute ein Highlight des Sortiments. Denn das Clean & Care Konzept der Reinigungsprodukte rund um das HY-ÖL® überzeugte schon zur damaligen Zeit als eine an die unterschiedlichen Hautbedürfnisse angepasste Maßanfertigung. Das hydrophile Reinigungsöl wird trocken auf die Haut aufgebracht und löst zunächst öllösliche Partikel. Erdnuss- und Sesamöl pflegen die Haut weich und geschmeidig und bewahren nachhaltig vor dem Austrocknen. Ein zweiter Schritt bringt die hauttypenspezifischen Phytoactives ins Spiel: Das HY-ÖL® wird befeuchtet und zur milchigen Emulsion, die auch wasserlöslichen Schmutz entfernt. Das Ergebnis ist eine gründlich gereinigte Haut. Mit Wirkstoffen aus der Natur beweist der Klassiker HY-ÖL® bis heute seine Aktualität.

In den 60er Jahren hat die Aachener Unternehmerfamilie Dr. Leo Vossen Babor Cosmetics übernommen und die von Dr. Michael Babor ins Leben gerufenen Idee der biomedizinischen Naturkosmetik zur renommierten Marke ausgebaut. Mit einem Erfahrungsschatz von mehr als 50 Jahren und weltweit in über 60 Ländern vertreten, steht Babor synonym für exklusive Kosmetik- und Wellnessprodukte, herausragende Produktqualität und Wirkstoffperformance sowie professionelle Behandlungssysteme.


Pflege aus dem Meeresgarten
Algen in pulverisierter Form
Dass Thalasso-Therapien nicht mehr nur in Seebädern angeboten werden können, ist dem Franzosen André Bouclet zu danken. Ihm gelang es 1964, den sehr harten Zellkern der Alge zu sprengen und so die in der Alge vorhandenen Spurenelemente freizusetzen –ohne ihr Wirkpotential zu schmälern. Das Verfahren nennt sich Mikropulverisierung. 1968 ließ Bouclet den Namen THALGO von Thalasso und Algues (griech. Meer und franz. Algen) schützen. Er entwickelte das Gel Plasmalg, ein hundertprozentiges Algen-Gel-Konzentrat, das noch heute im Programm ist, und belieferte die renommiertesten Thalasso-Therapiezentren mit mikropulverisierten Algen in Form von THALGO-Körperpackungen. Zunächst im medizinischen Rahmen eingesetzt, um Rheumatismus, Arthritis oder  Hautprobleme zu lindern, wurde das Verfahren auch bald auf die Kosmetik übertragen. Marine Algen kennen als einzige in der Kosmetik eingesetzte Wirk- und Rohstoffe keine Kontraindikationen und provozieren damit auch keine allergischen Reaktionen.
Inzwischen ist die Marke THALGO in über 90 Ländern weltweit vertreten. Die klassischen Produktschwerpunkte Gesicht, Körper und Balneologie werden vor allem in Day-Spas und im Institut angeboten.


Heilkräfte des Meeres für kranke Haut
Geheimnis: biotechnologischer Fermentierungsprozess
Zu den jungen Klassikern zählt die Crème de la Mer, deren Entwicklung schon legendär ist: Anfang der 50er Jahre erlitt der Raumfahrt-Physiker Dr. Max Huber bei einer Explosion entstellende Verbrennungen im Gesicht. Als unzählige wissenschaftliche und medizinische Behand­lungen erfolglos blieben, beschloss Dr. Huber, sich selbst zu helfen. Zwölf Jahre und 6.000 Experimente später hatte er Crème de la Mer erfunden. Das Herzstück der Crème ist eine hochwirksame Miracle Broth™. Dabei haben die Inhaltsstoffe nichts Übernatürliches an sich – Dr. Huber kombinierte Seetang, Mineralien und Vitamine sowie Öle von Zitrusfrüchten, Eukalyptus, Weizenkeimen, Alfalfa und Sonnenblumen zu einer nährstoffreichen Rezeptur. Das Geheimnis der Crème beruht auf einem einzigartigen, sehr aufwändigen bio-technologischen Fermentierungsprozess. Dr. Huber war überzeugt davon, dass nicht nur die Inhaltsstoffe, sondern die Art und Weise, wie diese verarbeitet werden, den großen Unterschied zwischen einer guten Feuchtigkeitspflege und einem “kleinen Wunder“ ausmachen. Beispielsweise nutzen auch Winzer die Bio-Fermentation um Trauben in Wein zu verwandeln. Es ist eine Vorgehensweise, die seit dem 19. Jahrhundert erforscht ist. Um seine berühmte Miracle Broth™ zu erschaffen, hat Dr. Huber eine ähnliche Technik eingesetzt. Dieser überaus genaue, drei- bis viermonatige Vorgang ist auch heute noch das Kernstück der Crème de la Mer. Nur, dass nicht Trauben zur Anwendung kommen, sondern Seetang, der reich an wichtigen Nährstoffen wie Kalzium, Kalium und Magnesium ist. Zum Schutz der natürlichen Ressourcen werden übrigens nur die Spitzen des Seetangs verwendet, um die Pflanze als Ganzes zu schützen. Die seit Jahrhunderten geschätzte Thalassotherapie hat nicht nur Dr. Huber inspiriert. Sie kommt bei Crème de la Mer Spa zu Ehren; diese verbindet die heilenden Kräfte von Meer, Licht, Klang und Berührung zu einem einzigartigen Wohlgefühl.


Heilkraft und Schönheit aus dem Toten Meer
Heiße Quellen, Salz und Schlamm
Als die Mitglieder des Kibbuz Ein Gedi 1984 altes pharmazeutisches Wissen ihrer Vorfahren zur Wirkung des Schlamms vom Toten Meer wieder entdeckt hatten, suchten sie nach einem passenden Namen für die Pflegeprodukte, die sie daraus herstellen wollten. “ahava“, das hebräische Wort für Liebe, war für sie die optimale Bezeichnung, um die wohltuende Wirkung und liebevolle Behandlung der Haut zum Ausdruck zu bringen. Schon seit Jahrtausenden wurde die beinahe mythische Kraft des Toten Meeres für die Gesundheit und Schönheit genutzt. So ist überliefert, dass schon die Königin von Saba, König Salomon und auch Cleopatra die heilenden Fähigkeiten des mineralhaltigen Salzwassers und des Mineralienschlamms zu schätzen wussten.

Die Region um das Tote Meer ist eine uralte Kulturlandschaft – und eine Schatzkammer der Wüste. Eine karge Wüste, heiß und trocken, aber geprägt vom Reichtum, der durch das Salz entstand. Die mit 410 Metern unter dem Meeresspiegel tiefste Region der Erde hat aber noch weitere Besonderheiten zu bieten: Wasser mit einem Salzgehalt von durchschnittlich 28 Prozent, was etwa dem zehnfachen Wert von Meerwasser entspricht. Doch auch unter dem Wasserspiegel gibt es verborgene Schätze, wie heiße Quellen, die am Meeresgrund sprudeln, und Schlamm, dessen Konzentration an wertvollen Mineralien und Spurenelementen einmalig auf der Welt ist. Mit seiner natürlichen Anreicherung aus Magnesium, Kalzium, Kalium, Kaliumcarbonat, Salz, Brom, Selen, Mangan, Jod, Chrom, Bor und Teer ist der Mineralienschlamm ein idealer Cocktail für die Schönheit und Gesundheit der Haut. Seine Zusammensetzung ist ideal für Haut, der Feuchtigkeit fehlt.

Das von den Kibuzzin gegründete Unternehmen, die Dead Sea Laboratories, ist der einzige Kosmetikhersteller, der sozusagen direkt an der Quelle sitzt. Vor Ort wird das wertvollste, was das Tote Meer zu bieten hat, das kristalline Salz und der mineralreiche Schlamm, gewonnen, raffiniert und in eine außergewöhnliche Pflegeserie für trockene und sehr trockene, empfindliche Haut eingearbeitet.

Monika Baumann

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