24.11.2011

Trend Beauty-Food

Schönheit aus dem Pillendöschen

Auf der Suche nach der ewigen Jugend beschreitet die Kosmetik­-industrie neue Wege und schließt sich mit der Ernährungsindustrie kurz: Ergänzend zur äußerlichen Kosmetik soll der “forever young-Traum” mittels Nutrikosmetik von innen Realität werden.

Foto: RRF - www.fotolia.de

Functional Beauty Food, Nutraceutical, Nutrikosmetik: Solchen Schlagwörtern werden wir künftig häufiger auch in Deutschland begegnen. Das Ausland ist uns da schon einige Schritte voraus. Denn die Erhaltung der Gesundheit wird in Zukunft der Dreh- und Angelpunkt sämtlicher Bestrebungen der Gesundheits-, Lebensmittel- und Schönheitsindustrien sein und wird diese Branchen noch mehr verschmelzen lassen. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie Body & Health, Zukunftsmarkt Körper & Gesundheit vom Zukunftsinstitut schon 2009.


Lebensmittel mit Gesundheits- und Beauty-Plus

Der Hersteller Danone beispielsweise beschreitet den Weg der inneren Gesundheitsunterstützung schon seit Jahren mit großem Erfolg. Joghurt ist nicht mehr bloß Joghurt, sondern kann Verdauungsprobleme lösen (Activia), den Cholesterinspiegel senken (Danacol) oder die Abwehrkräfte stärken (Actimel). Und das ist noch nicht alles: Joghurt kann auch zu schöner Haut verhelfen. Seit 2007 stehen in französischen Supermärkten die pinkfarbenen Danone Essensis Joghurts, die mit Hilfe von Antioxidantien aus grünem Tee, Omega 6 und Vitamin E das Hautbild deutlich verbessern sollen. Gesundheit, Wohlbefinden und Schönheit sind der Schlüssel zum Erfolg für Danone geworden.

Der Versuch der Schönheitsindustrie, sich auf dem Markt der Nahrungsergänzungsmittel zu etablieren, ist bei uns noch eher experimentell. In Frankreich, wo die Offenheit der Konsumenten gegenüber Schönheitsprodukten zum Einnehmen, die von klassischen Pflegeherstellern stammen, größer zu sein scheint, gibt es diesbezüglich einen ersten Vorstoß – eine hautstraffende Marmelade, exklusiv in Apotheken erhältlich. Die Schönheitsmarmelade soll bis zu 74 Prozent der Falten verschwinden lassen, enthält Tomaten und grünen Tee: 120 Gramm zu sieben Euro.

Verglichen mit dem, was jetzt auf den Markt kommt, verströmen die Klassiker “Merz Spezial-Dragees“ eine gewisse Nostalgie. Die Hersteller werben heute mit dem Glamourfaktor. So verkauft Nestlé seinen Beautydrink “Glowelle“ in den USA exklusiv in Luxuskaufhäusern, Models wie Naomi Campbell greifen öffentlichkeitswirksam zu den dänischen Schönheitstabletten “Imedeen Time Perfection“, andere Promis wie Boxerin Regina Halmich oder Moderatorin Caroline Beil trinken das Schweizer “Beautywater Q10“, das angeblich “Körperzellen aktiviert“. US-Schauspielerin Reese Witherspoon nascht “Borba’s“-Anti-Falten-Kekse, während amerikanische Teenies mit “Fructel“-Bonbons ihre Pickel weglutschen. In Japan schwört man auf Kollagen-Marshmallows und Deo-Kaugummi.

Auch hierzulande gibt es viele Nahrungsergänzungsmittel für schönere Körper, Firmen wie Stollwerck versprechen etwa, ihre Schokolade “Antioxidant“ sei gut für die Haut (in Apotheken). Den Geschmack der Zeit trifft Functional Beauty Food auf jeden Fall. Das Angebot an Nahrungsmitteln mit Zusatznutzen wird in den nächsten Jahren um 20 Prozent wachsen, schätzt das Zukunftsinstitut in Kelkheim.


Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Zwar darf weder Kosmetik noch Functional Food mit Gesundheits-Benefit das Blaue vom Himmel versprechen. Die Wirkung muss bewiesen und die Formulierung darf nicht irreführend sein. “Welche gesundheitlichen Aussagen auf Lebensmitteln stehen dürfen, wurde Ende 2006 in der Health-Claims-Verordnung vom Europäischen Parlament festgelegt“, erklärt Andreas Tief, stellvertretender Pressesprecher beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin. Während Aussagen wie “hilft, den Cholesterinspiegel zu senken“ leicht zu beweisen sind, ist das bei “macht schöne Haut“ nicht so einfach, denn das ist subjektiv. Hinzu kommt, dass die Grenze zwischen Gesundheits- und Beauty-Behauptung oft fließend ist.

Der mündige Konsument sollte in der Lage sein, den blumigen Aussagen kritisch gegenüber zu stehen. Doch die Realität ausblenden fällt anscheinend leicht angesichts der konkret anmutenden Versprechungen. Laut einer Umfrage des Forsa-Instituts für Meinungsforschung glaubt immerhin ein Viertel der Deutschen, dass gesundheitliche Versprechen von Lebensmitteln auch stimmen. Für die Industrie bedeutet das 20 Millionen potentielle Kunden und damit ein lukratives Geschäft.
 
Die Zeit mischt mit

Es ist der Traum von der Ideal-Figur, der faltenfreien Haut, der grenzenlosen Vitalität, der Frauen wie Männer bei Beauty Food zugreifen lässt, wohl wissend, dass die Ideale eigentlich nur mit Konsequenz – wenn überhaupt – zu erzielen wären. Also viel Bewegung, ausgewogene Ernährung, Maßhalten in allen Lebenslagen, vor allem bei Genussmitteln. Wer bringt schon diese Disziplin ein Leben lang auf? Und wo es doch so leicht ist, das schlechte Gewissen zu beruhigen. Dass macht sich die Industrie zunutze: “Ich würde nie behaupten, dass unsere Produkte besser wirken als gesunde Ernährung“, sagt beispielsweise Katrin Kipper, wissenschaftliche Leiterin bei Innéov Deutschland – einer Marke, die der Kosmetikkonzern L’Oréal und der Lebensmittelriese Nestlé gemeinsam auf den Markt gebracht haben. Sie ergänzt aber, dass es in der “heutigen hektischen Zeit“ die meisten Menschen nicht schaffen  würden, die notwendigen Mineral- und Nährstoffe auf natürlichem Wege zu sich zu nehmen. Und noch etwas wird den Umsatz von Functional Food, ob für Gesundheit oder Schönheit, weiter ankurbeln. Eine Gesellschaft, die immer älter wird und dabei aber aktiv und fit bis in die 70er und darüber hinaus sein möchte. Und die Erkenntnis, dass dafür jeder selbst verantwortlich ist. In der Studie Body & Health, Zukunftsmarkt Körper und Gesundheit wird diese Haltung mit folgendem Zitat auf den Punkt gebracht: “Man sollte seinen Körper gut pflegen, weil so mein guter Lebensstandard für immer gesichert ist. Ich investiere gerne für meine Gesundheit (das sind Körper und Seele zusammen), so erhöhe ich meine Lebensqualität“ (40 Jahre, weiblich). Diese Meinung teilen in der Studie bereits 58 Prozent der Befragten. Fazit: hervorragende Aussichten für Nutrikosmetik & Co.

            Monika Baumann

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