26.05.2010

Beratungswissen Sonnenpflege

Manchmal gefährlich, immer geliebt

Der Mensch sehnt sich nicht grundlos nach den wärmenden (und auch bräunenden) Strahlen der Sonne. Ohne sie könnten wir schlicht nicht existieren. Würden wir sie konsequent meiden, würden wir eingehen wie das sprichwörtliche Primelchen.

Foto: Svemir/www.fotolia.com

Wahr ist aber auch die altbekannte Weisheit, wonach die Dosis das Gift macht. Zuviel Sonne kann tatsächlich zellschädigende Wirkung haben; allerdings setzt eine solche Wirkung viele gravierende Sonnenbrände voraus. Gut ist, dass jeder Sonnenbrand mit seinen unangenehmen Begleiterscheinungen ganz von selbst zur Mäßigung “erzieht“ – und gut natürlich auch, dass Sie als beratende Person immer wieder auf die Gefahren der Sonne aufmerksam machen. Und wiederum gut, dass Sie für jedes Haut- und Pflegebedürfnis individuell richtige Verhaltensstipps für die Sonne sowie entsprechende Präparate empfehlen können.

Lichtschutzfaktoren: eine kosmetische Erfolgsgeschichte

Es geht nicht immer um den Extremfall der schweren Hautschädigung durch eine Sonnenverbrennung, Krebsrisiko eingeschlossen. Es geht um die Erkenntnis, dass Sonnenstrahlen neben dem positiven kosmetischen Effekt der Bräune auch den negativen Effekt der beschleunigten Hautalterung haben können. Und da ist die kosmetische Industrie in ihrem Grundverständnis gefordert. Schließlich dient alle Pflege dazu, die Haut solange wie möglich jung und gesund zu erhalten. Also war die Frage: Wie verhindert man die unerwünschten  Nebeneffekte der Sonnenstrahlen?  Das Ergebnis ist bekannt. Sonnenschutzpräparate mit Lichtschutzfaktor bis 50+ sind seit der Mitte des vergangenen Jahrhunderts stetig optimiert worden. Ausgestattet mit modernen Breitbandfiltern, schützen sie sowohl vor den energiereichen UVB-Strahlen (zuständig für Sonnenbrand, DNA-Schäden) und vor den langwelligen UVA-Strahlen. UVA-Strahlen dringen bis in das Bindegewebe ein und sind dort Ursache für chronische Lichtschäden (z. B. vorzeitige Hautalterung). Außerdem sind sie verantwortlich für die Bildung Freier Radikale und phototoxische (durch schädliche Lichteinwirkung bedingte) und photoallergische Reaktionen, wie die Sonnenallergien. Die UVA-Strahlung richtet so gesehen den größten kosmetischen Schaden an. Und so wundert es nicht, dass sich Lichtschutzfaktoren längst auch in der Tagescreme und sogar im Make-up finden. Zu Recht, denn die Sonne scheint ja nicht nur im Urlaub.

Vom Umgang mit der Sonne

Welchen Lichtschutzfaktor Sie Ihren Kunden nun empfehlen sollen, hängt zum einen vom Hauttyp ab, zum anderen vom Freizeitverhalten. Dass der Hauttyp I besonderen Schutz verdient, versteht sich von selbst. Er hat kaum eigene Pigmente und kann deshalb auch kaum Bräune bilden. Und Bräune ist ja nichts anderes als der hauteigene Schutz vor zuviel UV-Strahlung. Da dieser sich aber sehr langsam aufbaut, sind auch alle anderen Hauttypen gut beraten, die Freiluftsaison oder den Urlaub mit einem höheren LSF zu beginnen. Sonnenschutzpräparate mit LSF 30 und mehr sind daher für extrem lichtempfindliche Haut oder für ausgiebige Sonnenbäder in sonnenintensiven Gegenden gedacht. Verzichten sollte aber niemand auf Sonnenschutzpräparate, denn sie bieten ja weitaus mehr als nur den LSF.

Gefahr: Freie Radikale

Neben all den pflegenden und feuchtigkeitsspendenden Inhaltsstoffen sind es vor allem Freie Radikal-Fänger, wie beispielsweise Vitamin E, die es erlauben, die Sonne ohne Reue zu genießen. Denn trotz aller Kampagnen pro Sonnenschutz, die Verwendung der entsprechenden Produkte ist nicht eben weit verbreitet, wie die aktuelle Umfrage “Typologie der Wünsche (TdW)“ von Burda zeigt (siehe Tabelle). Auch die Frage, ob man gerne in die Sonne geht, um braun zu werden, haben nur 15,94 Mio. der Bundesdeutschen bejaht. Ob da jeder ehrlich geantwortet hat, bleibt dahin gestellt. Wenn man allerdings bedenkt, dass viele Konsumenten Sonnencreme & Co. wirklich nur für den Urlaub kaufen, weil sie eben nur da in der Sonne liegen können, relativiert sich diese Zahl etwas. 

Braun ganz ohne Sonne

Attraktive Bräune kann auch ganz ohne Sonne erzielt werden. Selbstbräuner ist hier das Stichwort. Mittels Dihydroxyaceton (DHA), einem Zucker, wird die oberste Hornschicht der Haut gefärbt. Wussten Sie eigentlich, dass sich schon die Trümmerfrauen mit diesem einfachen Mittel die Beine färbten – um die damals ebenso unerschwinglichen wie heiß begehrten Nylons zu imitieren? Seit diesen Zeiten hat sich in der Verarbeitung der DHA auch einiges getan. Die gelb-orange Färbung gehört ebenso der Vergangenheit an wie fleckige, ungleichmäßige Tönung. Moderne Selbstbräuner bescheren ein gleichmäßiges Hautbild und pflegen darüber hinaus wie eine richtige Creme oder Lotion. Die Alternative also für alle, die den Schatten bevorzugen. Allerdings mit einer nur kurzen Verweildauer von maximal sechs Tagen – dann muss “nachgebessert“ werden. Und doch: Dieses Marktsegment gilt es, ans Herz der Verbraucher zu legen. Mehr als die Hälfte gibt nämlich an, Selbstbräuner bislang nie zu verwenden bzw. gekauft (siehe Tabelle) zu haben.

Und wer nur für den Moment einen getönten Teint präsentieren will, greift zu den Tonerde-Pudern, die sich jedem Hautton anpassen und “wie von der Sonne geküsst“ wirken. Oft mit etwas Glanzpigmenten angereichert, lassen sie das Gesicht tatsächlich wie im Sonnenschein glitzern. Denn eines ist sicher: Das Modebild von der vornehmen Blässe braucht noch eine Weile, bis es das Modebild von der attraktiven, sportiven Bräune im allgemeinen Konsens abgelöst hat.

Monika Baumann

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