26.05.2010
Beratungswissen Figur
Auf Konturensuche
Die Regale in Parfümerien und Drogerien, die mittels straffender Körperpflegeprodukte den Weg zur Traumfigur weisen, messen nach Metern. Eine Unzahl an Produkten verspricht Besserung, wenn sich die gefürchteten Dellen der Cellulite zeigen oder der Körper Zeichen nachlassender Spannkraft nicht mehr verbergen kann. Das im gesellschaftlichen Gedächtnis verankerte Diktat der anstrebenswerten Modelfigur bringt nicht wenige Frauen an den Rand der Verzweiflung. Da helfen auch gut gemeinte Aktionen gegen die Hungerhaken auf den Laufstegen und in den Hochglanzmagazinen herzlich wenig. Ob der gute Vorsatz der größten deutschen Frauenzeitschrift, nur noch mit “normalen“ Frauen arbeiten zu wollen, nachhaltigen Effekt erzielen wird, muss sich erst noch erweisen.
Noch jedenfalls sind sie die großen Ausnahmen. Frauen, wie die gerade sehr angesagte Sängerin Beth Ditto von der Band Gossip oder das schauspielerische Naturtalent Gabourey Sidibe, die für ihre Rolle in dem Film “Precious“ sogar für den Oscar nominiert wurde, tragen ihre Pfunde mit Selbstbewusstsein zu Markte. Auch Doris Dörrie bricht in ihrem aktuellen Film “Die Friseuse“ eine Lanze für üppige Körperformen. Ob das ein Umdenken im Mainstream einläutet, bleibt dahin gestellt. Noch sehen sich sehr viele Frauen mit “Problemzonen“ konfrontiert und suchen die Problemlösung mit Vorliebe bei Ihnen in der Parfümerie.
Figur im Wandel der Zeit
Der barocke Rubens-Körper war über Jahrhunderte hinweg Zeichen von Wohlstand und somit das Modeideal über sehr lange Zeit, in denen es nur wenigen vergönnt war, sich täglich satt zu essen. Heutzutage jedoch ist in den reichen Industrienationen der westlichen Welt die Versorgung mit Nahrungsmitteln für alle gesichert und niemand braucht Hunger zu leiden. Dadurch hat Fett seinen Informationswert als Zeichen von Wohlstand verloren. Auch heute noch gelten in armen Ländern eher dicke Frauen als schön.
Entscheidend beigetragen zum veränderten Schönheitsideal hat auch der Status der Frauen. Als Hausfrau und Mutter standen ihr Rundungen noch gut zu Gesicht. Aber mit mehr Bildung und dem Eintritt ins Berufsleben und Teilhabe am politischen und gesellschaftlichen Leben hat sich das geändert. Fazit: Je traditioneller die Rolle der Frau, desto kurvenreicher das Figur-Ideal. Je größer das Wirtschaftswachstum und je größer der Anteil der Frauen an Bildungssystem und Erwerbs-tätigkeit, desto weniger kurvenreich ist das Ideal.
Physis contra Psyche
Naturbedingt sind Frauen mit einem Unterhautfettgewebe ausgestattet, das seiner Aufgabe als natürlicher Speicher, Kälteschutz und Stoßdämpfer gerecht werden muss. Vor allem aber muss es den Belastungen einer Schwangerschaft gewachsen sein. Es ist also äußerst dehnfähig und kann große Mengen Fett speichern, das bei Bedarf in Energie umgewandelt wird. Die Fettzellen, sogenannte Adipozyten, können das 60- bis 100fache ihrer ursprünglichen Größe erreichen. Obwohl sehr flexibel, bilden sie sich auch “ungefüllt“ nicht immer zurück. Wassereinlagerungen und die Alterung des Bindegewebes kommen erschwerend hinzu, ebenso wie hormonelle Einflüsse, unausgewogene Ernährung, mangelnde Bewegung, Genussgifte wie Nikotin und Alkohol und nicht zu vergessen Stress. Folge: Schiebt man die Haut zusammen, zeigt sie das bekannte Bild der Orangenhaut – auch bei Frauen mit keinem oder wenig Übergewicht. Die Natur hat es einfach so eingerichtet.
Doch die Menschen strebten schon immer nach unerreichbaren Idealen. Und so kommt es, dass frau eben auch versucht ist, den Naturgesetzen ein Schnippchen zu schlagen. Wer sich mit seinem äußeren Erscheinungsbild nicht abfinden kann, leidet allen logischen Erklärungen zum Trotz. Und das muss nicht sein. Nur: Wunder aus dem Cremetopf wird es keine geben. Wer aber über Kosmetik anfängt, sich mit seinem Körper zu beschäftigen, der wird über kurz oder lang zu einer positiveren Einstellung gelangen – und allein das legitimiert schon den Einsatz entsprechender Formulierungen. Wenn dann noch mehr Bewegung und eine gesündere Ernährung in die Tat umgesetzt werden, winkt am Ende aller Bemühungen nicht unbedingt die Traumfigur; aber ein Mensch, der mit sich und seinem Äußeren im reinen ist.
Wirkstoff-Ansätze
Wo also setzen kosmetische Formulierungen an? Man könnte es den 3-Stufen-Plan nennen mit dem Ziel, Zellstoffwechsel und Lymphfluss anzuregen, sowie das Hautbild generell zu verbessern. Neuere Formulierungen versprechen direkten Einfluss auf die Adipozyten; sie sollen so in ihrem Volumen, bei manchen sogar in ihrer Anzahl verringert werden. Die Schlagworte lauten Lipogenese, die Produktion von Fett durch die Adipozyten, die man vermindern möchte. Und Lipolyse, die Fettverbrennung, die man ankurbeln will.
Generell wird die Durchblutung verbessert (Stufe 1), dies allein schon durch das Einmassieren der entsprechenden Creme oder Lotion, also manuell. Aber auch mit Wirkstoffen wie Rosmarin, Ingwer-Öl, Eukalyptusöl, Arnika, Efeuextrakte, Blaualgen. Die verbesserte Durchblutung begünstigt eine allgemeine Beschleunigung des Zellstoffwechsels, Abfallstoffe werden besser ausgeschieden.
Wirkstoffe wie Koffein, Wacholder, Meeresalgenextrakte, Braunalgen bilden die zweite Stufe. Präparate mit diesen Inhaltsstoffen greifen die Fettzellen an und wirken entwässernd und entschlackend. Die Haut wird glatter und straffer. Allgemein regenerierend, glättend und pflegend (Stufe 3) wirken unter anderem Arnika, Klette, Kieselsäure und die sogenannten Alpha-Hydroxysäuren, die die verhornten oberen Hautschichten ablösen und die weichere und straffere Haut darunter sichtbar werden lassen.
Selbst der so kritische Öko-Test hat in seiner März-Ausgabe immerhin den getesteten Produkten attestiert, dass sie Stufe eins auf jedem Fall gerecht werden. Übrigens: die aktuellen Testsieger sind drei Präparate aus der Naturkosmetik.
Monika Baumann
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