22.09.2011
Wiedemann Parfümerie
"Es kommt mir so kurz vor!"
Ein halbes Jahrhundert oder fast zwei Generationen - in jedem Fall eine so lange Zeit, wie es heute nur noch selten vorkommt, steht Hilde Hermann bereits im Dienst des zweitgrößten privaten Parfümerie-Filialisten Bayerns. Dafür wurde sie jetzt mit einer Urkunde der IHK ausgezeichnet und erhielt anlässlich eines Festabends ein persönliches Geschenk ihres Arbeitgebers.
50 Jahre sind eine sehr lange Zeit. Aber glaubt man den Worten von Hilde Hermann, dann ist die Zeit eigentlich "fürchterlich schnell" vergangen. "Ich weiß nicht, wo die Zeit hin ist. Es kommt mir so kurz vor." In dieser für Hilde Hermann gefühlt kurzen Zeit hat sie die Entwicklung des Unternehmens Wiedemann von Seifensiederei und Großhandel bis hin zur zweitgrößten Parfümerie-Kette Bayerns mit bundesweiter Bedeutung miterlebt und mitgestaltet. Sie hat die Zeit der "Isarperle" noch direkt erlebt, der Eigenmarke der Wiedemanns bei Seife oder Waschpulver. "Ich musste öfter mit den stinkenden Metzgereiautos mitfahren in die Fabrik in der Bairawieser Straße und dort aufsperren, wenn sie den Rindertalg lieferten", erinnert sich Hermann.
Ihren Start bei Wiedemann am 4. September 1961 hat Hilde Hermann noch gut im Gedächtnis: "Der 1. September wäre ein Freitag gewesen", so Hermann, "aber da hat die Chefin gemeint, da können sie mich noch nicht brauchen, weil´s da immer so zugeht. Ich soll am Montag kommen." Und am Montag ging´s los "mit Regalauswischen und solchen Sachen", lacht Hilde Hermann. Gehörten in Hermanns Lehrjahre noch eher Putz- und Waschmittel und weniger Kosmetikartikel zum Sortiment des Unternehmens - "wir hatten ganze drei Kosmetikfirmen im Angebot" - so sind es heute ausschließlich Dinge des "kleinen Luxus", die angeboten werden. "Vor allem in der Qualität der Produkte hat sich enorm viel verändert", so Hermann, die sich noch an die Konsistenz der ersten Lippenstifte erinnert: "Die gingen gar nicht mehr runter."
Wie schafft man es, so lange bei einem Unternehmen zu arbeiten? "Das geht ganz einfach", sagt "die Hilde", wie sie Chef Peter Wiedemann mit einem liebevollen Augenzwinkern nennt. "Die Atmosphäre bei uns in der Firma ist so locker und gut, da hat man fast das Gefühl, man arbeitet im eigenen Geschäft." Die Kolleginnen, jung wie alt, verstehen sich prima und es gibt keinen Druck von oben, irgendetwas verkaufen zu müssen. "Wir verkaufen ehrlich", ist Hilde Hermann überzeugt. "Bei uns wird dem Kunden nichts aufgeschwatzt, sondern nur das verkauft, was er auch wirklich will und braucht."
Und das mit hoher Sachkompetenz, denn jede Mitarbeiterin ist verpflichtet, sich fortzubilden. "Da wird kein Unterschied zwischen jung und alt gemacht", versichert Hermann. "Wir wissen über die Produkte, die wir verkaufen, Bescheid, und darum sind wir gut." Auch ihr Alter - Hilde Hermann steht ein Jahr vor ihrer Rente - ist kein "Hinderungsgrund", erfolgreich in dieser Branche zu arbeiten. "Im Gegenteil", meint Hilde und lacht. "Wenn eine Kundin sieht, dass ich vielleicht die gleichen Probleme mit Augenbrauen oder Lippenfältchen habe, dann fühlt sie sich bei mir schon gut aufgehoben."
Außerdem, das betont die Hilde extra, "hab ich immer so arbeiten dürfen, wie ich das wollte." Selbst während der Kinderpause für ihre zwei Söhne war die Hilde eine gefragte Fachkraft. "Die Monika", so Hilde über ihre Chefin, "hat gemeint: Hilde, es ist mir eigentlich wurscht, wie du arbeitest, Hauptsache, du arbeitest bei uns!" Diese Wertschätzung und dieses "gebraucht werden" ist für Hilde Hermann das Elixier, das sie jung hält. "Ich habe eigentlich noch gar keine Lust auf Rente", meint sie. Ihr "taugts" in der familiären Atmosphäre bei Wiedemann. "Und wenn´s mich noch brauchen können, tät ich schon noch gerne ein bisserl weiter mitmischen", so Hilde.
Um die Zukunft des Unternehmens ist ihr nicht bange. Denn mit Christian Wiedemann startet nun schon die 5. Generation ins Familienunternehmen. "Der macht seine Sache gut", freut sich Hermann. "Da habe ich ein sehr gutes Gefühl." Auch mit Christian verbindet sie familiäre Bande. "Den hab ich ja von klein auf im Geschäft erlebt. Die Oma bzw. Seniorchefin war ja immer im Geschäft und in der Wachsabteilung hat der Christian immer mitgemischt mit der Kasse und so", erinnert sie sich. Überhaupt ist die familiäre Anbindung der Unternehmerfamilie Wiedemann an ihre Mitarbeiter eine ganz besondere. "Die kommen zum Geburtstag und bringen einem so viel Wertschätzung entgegen", so Hermann, "da fühlt man sich schon sehr wohl."
Die familiäre Atmosphäre schätzt nicht nur Hilde Hermann bei Wiedemann, sondern alle Mitarbeiter. Fluktuation gibt es fast nicht. "Wir Mitarbeiter genießen eine sehr hohe Wertschätzung", so Hermann, die den sorgfältigen Umgang miteinander im Unternehmen sehr genießt. Eine Firma mit Familienanschluss also? "Ja", nickt Hilde Hermann und lacht schon wieder. "Ich hab den Peter, der war ja grad mal fünf Jahre als ich dort mit 14 meine Lehre begann, vom Kindergarten am Schlossplatz abgeholt und heimgebracht", erzählt sie. Und die Seniorchefin hat die Hilde sozusagen noch miterzogen. "Ich war grad mal ein 14-jähriges Madl. Was ich da mitbekommen hab, mach ich heute noch so", meint sie dankbar.
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